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Die Geschichte der FF Neumarkt - Sankt Veit

 

Schon einige Jahre vor der eigentlichen Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Neumarkt – Sankt Veit gab es hier Männer, die den Wert eines organisierten Rettungswesens bei Feuergefahr erkannten. Im Jahre 1865 wurde deshalb von diesen Männern der schüchterne Versuch unternommen ein freiwilliges Feuerwehrcorps zu gründen. Dieser Versuch stieß jedoch von Seiten der Bürgerschaft auf Ablehnung, da man wie es in der Überlieferung heißt, die „Verquickung politischer, demokratischer Grundsätze mit diesem Institut“ befürchtete. Die verhinderten Feuerwehrmänner gaben jedoch nicht auf und schon im Jahre 1866 wurde ein neuerlicher Gründungsversuch unternommen, der aber aus den gleichen Gründen scheiterte.

Erst ein Großbrand vor den Toren des damaligen Marktes überzeugte die Bürger von der Notwendigkeit einer Feuerwehr. Es war im Jahre 1867, als in Hausröcklmühle, Gemeinde Hörbering durch Brandstiftung ein landwirtschaftliche4s Anwesen dem Feuer zum Opfer fiel. Diese Begebenheit nun rüttelte die Bürger von Neumarkt auf, so dass der Gründung einer Feuerwehr nichts mehr im Wege stand.

Mit besonderem Eifer nahm sich der Likörfabrikant Adolf Fortmühler dieser gemeinnützigen Sache an. Zusammen mit den Herren Franz Huber Bäckermeister, Johann Winkler Maurermeister, Josef Meyrhofer Zimmerermeister, Felix Emmer Koch und Metzger, Dominikus Lipp Kaufmann, May Emmer Kaminkehrer und Bernhard Lechner Kaufmann bildete er ein provisorisches Komitee, dass folgenden Aufruf an die Bevölkerung erließ:

Mitbürger und Einwohner von Neumarkt und Umgebung!

Vereintes Zusammenwirken in der Gefahr ist ohnedies eines jeden Bürgers und Einwohners Pflicht. Um selber genau nachzukommen und etwas ersprießliches leisten zu können, sollte sich ein Verein von Freiwilligen bilden, der es sich zur Aufgabe macht, bei Feuergefahr das bedrohte Leben und Eigentum zu retten. Benachbarte Städte und Märkte sind hierin mit schönem Beispiel vorangegangen und hatten alle Ursache, sich der gebrachten Opfer zu erfreuen, weil sie gut angewendet waren. Um den guten Zweck auch für Neumarkt an der Rott erreichen zu können hat sich ein provisorisches Komitee gebildet, welches jeden Bürger und Einwohner einlädt, sich an diesem höchst notwendigen Institut zu beteiligen.

Dieser Aufruf hatte den Erfolg, dass das „Freiwillige Feuerwehrcorps Neumarkt an der Rott“ am 1. September 1867, 90 Mitglieder zählend, gegründet werden konnte. In der konstituierenden Versammlung mit Statutenberatung, die am 1. September 1867  im Rathaussaal stattfand wurden folgende Mitglieder in den Verwaltungsrat gewählt:

Kommandant:                          Johann Winkler

2. Adjutant:                             Felix Emmer

Kassier und Schriftführer:         Dominikus Lipp

Vertrauensmänner:                   Adolf Fortmüller, Paul Huber, Johann Gsellhofer

Im Jahre 1872 wurde eine Nürnberger Schubleiter zum Preis von 255 Gulden angeschafft. Und schon ein Jahr später wurden Verhandlungen wegen des Kaufes einer zweiten Schubleiter nach dem Augsburger System eingeleitet.

So vergingen in unermüdlicher Aufbauarbeiten des Kommandanten Franz Einmayr (seit 1877), der mittlerweile auch zum Bürgermeister gewählt worden war, die Jahre. Ehe man sich versah, schrieb man das Jahr 1892 und die Freiwillige Feuerwehr Neumarkt konnte auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblicken. An Geräten waren damals vorhanden: drei fahrbare Schubleitern von 17 bis 21 Meter Höhe, drei Saug- und Druckmaschinen, zwei Krückenspritzen, ein Mannschaftswagen und viele andere Ausrüstungsgegenstände. Außerdem konnte gerade zum 25-jährigen Gründungsfest die einheitliche Uniformierung abgeschlossen werden.

Mit dem Jahr 1933 begann nicht nur für die Neumarkter Feuerwehr, sondern für alle Feuerwehren innerhalb Deutschlands eine verwaltungsmäßige Umschichtung. Die Feuerwehren  wurden nämlich mit dem Beginn des „Dritten Reiches“ der Partei (NSDAP) unterstellt und von deren Kreisleitern befehligt. Es gab zwar nach wie vor innerhalb der Wehren eine gewählte Vorstandschaft, diese war aber in ihrer Entscheidungsbefugnis stark eingeschränkt. Als dann im Jahre 1939 das Unglück des Zweiten Weltkrieges hereinbrach, mussten viele Neumarkter Feuerwehrmänner die Feuerwehruniform mit der Soldatenuniform tauschen. Aber auch für die Daheimgebliebenen ruhte die Arbeit nicht. Besonders in den Kriegsjahren 1943 bis 1945 waren sie unermüdlich im Einsatz, um in bombardierten, umliegenden Städten (Landshut, Traunstein, Mühldorf) die Not zu lindern, Brände zu löschen, Aufräumungsarbeiten zu leisten und um Straßen wieder befahrbar zu machen.

Allein in der Landeshauptstadt München war die Neumarkter Feuerwehr in jener kritischen Zeit 23 mal im Einsatz, und das fast jedes Mal gleich für mehrere Tage. Der Einsatz der Feuerwehren ging damals so vor sich, dass bei Fliederalarm alle in einem Alarmplan erfassten Feuerwehren, dies waren meist solche, denen wegen ihrer technischen und personellen Ausrüstung eine besondere Leistungsstärke zugemutet wurde, in den Bereitschaftszustand versetzt wurden. Dieser Bereitschaftszustand sah vor, dass die Feuerwehren schon vor oder während der Gliederangriffe bis etwa 15 Kilometer vor München anfahren und dort auf Abruf warten mussten. Letzteres war auch nicht verwunderlich, war doch gerade die Neumarkter Feuerwehr wegen ihrer ausgezeichneten technischen Einrichtung an allen Brennpunkten eingesetzt. Mit ihrem modernen Löschfahrzeug LF16 welches der Wehr im Jahre 1941 insbesondere für die Münchner Einsätze zugeteilt worden war, waren die Neumarkter in voller Aktion, als es Brände am Hauptbahnhof, Güterbahnhof, Isartalbahnhof, im Schlachthof, bei der Oberpostdirektion und am Gärtnerplatztheater zu löschen galt. Da die Einsätze meist mehrere Tage dauerten und es selbst in München mit der Verpflegung nicht zum Besten stand, mussten sich die Feuerwehrmänner ihren Proviant, der meist nur aus einem trockenen Laib Brot bestand, selbst mitbringen.

In der ersten Julihälfte des Jahres 1954 wurde unsere Heimat von einer verheerenden Hochwasserkatastrophe heimgesucht. Die Rott, ansonsten ein harmloses Flüsschen, verwandelte sich infolge anhaltender, heftiger Regenfälle in einen reißenden Strom, der fast in seinem gesamten Verlauf über die Ufer trat und weite Gebiete überflutete. Wie heftig die Regenfälle zu jener Zeit waren beweist eine Zeitungsmeldung, nach der in der gleichen Zeit auf der Zugspitze mehr als drei Meter Neuschnee fielen. Auch Neumarkt – Sankt Veit blieb vom Hochwasser nicht verschont. Im stetigen Steigen der gurgelnden, braunen Wassermassen der Rott war es am 8. Juli soweit, dass die Rott über die Ufer trat. Zwar versuchten die Tag und Nacht einsatzbereiten Männer der freiwilligen Feuerwehr Neumarkt – Sankt Veit die Wassermassen mit Hilfe von Sandsäcken zu beherrschen, aber der aufopfernde Kamp war vergebens. Die Wassermassen überfluteten die Birkenstraße in ihrem ganzen Verlauf und drangen schließlich auch durch das Irl-Gäßchen und das untere Tor in den Marktplatz vor, den sie ebenfalls noch bis in die Höhe des unteren Marktbrunnen unter Wasser setzte.

Am Sonntag, den 14. Juli 1957 feierte die Freiwillige Feuerwehr Neumarkt – Sankt Veit im Rahmen eines großen Feuerwehrfestes ihren 90.Geburtstag. Zu dem zweitägigen Fest hatten sich 68 Vereine eingefunden.

Im Jahre 1965 wurde mit dem Umbau des Neumarkter Rathauses begonnen. Da im Zuge dieser Baumassnahme die bisherigen Geräteräume der Feuerwehr ebenfalls umgebaut wurden, hatte dies zur Folge, dass die Wehr obdachlos war. Der schon seit Jahren notwendige Neubau eines Gerätehauses musste umgehend in Angriff genommen werden. Nach umfangreichen Vorarbeiten und Planungen war es 1966 endlich so weit, dass mit dem Bau des Gerätehauses in der Einmayrstraße begonnen werden konnte. Aber noch ein weiteres wichtiges Ereignis hatte das Jahr 1966 aufzuweisen; der Stadtrat beschloss zum Preis von 70.000 DM für die Freiwillige Feuerwehr ein Tanklöschfahrzeug anzuschaffen.

Am Samstag, den 3. Juli 1967 feierte die Freiwille Feuerwehr Neumarkt – Sankt Veit ihr 100-jähriges Bestehen und die Einweihung des neuen Tanklöschfahrzeuges und des neuen Feuerwehrgerätehauses.

Im Jahr 1970 wurde in Neumarkt die erste Jugendfeuerwehr im Landkreis Mühldorf a. Inn gegründet. Zum damaligen Jugendwart wurde Adolf Uhl ernannt. 1974 wurde ein Löschgruppenfahrzeug LF8 beschafft.

Am 18. August 1981 fegte ein heftiges Unwetter über den nördlichen Landkreis Mühldorf und führte in Neumarkt – Sankt Veit fast zu einer Katastrophe. Durch Blitzschlag ist das Weindl-Lagerhaus in Brand geraten. Schwelender Kunstdünger setzte Stickstoffgase frei. Eine gelbe Giftwolke breitete sich über der Stadt aus. Mehr als 100 Anwohner mussten evakuiert und weitere große Schäden im ganzen Stadtgebiet beseitigt werden.

1983 wurde der Rüstwagen RW2 zur besseren Durchführung von Technischen Hilfeleistungen beschafft. Im Jahr 1989 wurde für den  völlig veralteten Kombi aus dem Jahre 1970 ein neues Mehrzweckfahrzeug angeschafft. Nur ein Jahr später wurde vom Bund ein neues Löschgruppenfahrzeug LF16-TS dem Landkreis Mühldorf zur Verfügung gestellt und in Neumarkt stationiert.

Im Jahr 1990 wurde die Stadt Neumarkt – Sankt Veit vom Hochwasser und von den Stürmen Wiebke und Lothar heimgesucht, was der Feuerwehr über mehrere Tage lang eine Vielzahl von Einsätzen bescherte.

Am 19. Juli 1992 wurde das 125-jährige Bestehen der Feuerwehr Neumarkt – Sankt Veit, so wie die Einweihung des neuen Tanklöschfahrzeuges TLF 16/25 und des neuen Feuerwehrgerätehauses in der Wintermeierstr. gefeiert.

Am 9.März 1997 stürzte ein Sportflugzeug am Rande der Stadt ab, wie durch ein Wunder konnte sich der Pilot aus der brennenden Maschine retten.

1998 wurde für das 24 Jahre alte LF8 ein neues Löschgruppenfahrzeug LF8/6 beschafft. Im Jahre 1999 wurde durch den Verein ein neues Mehrzweckfahrzeug der Marke Fiat Ducato beschafft ohne dass der Stadt Neumarkt – Sankt Veit Kosten entstanden sind. Die Stadt musste nur den Zuschuss, der von der Regierung von Oberbayern und dem Landkreis Mühldorf bewilligt wurde, vorfinanzieren. In diesem Jahr wurde die Freiwillige Feuerwehr  zu 146 Einsätzen gerufen. 2001 kaufte der verein ein gebrauchtes Fahrzeug auf 7,5t-Fahrgestell und baute es in ca. 1000 Arbeitsstunden, in Eigenleistung und mit der tatkräftigen Unterstützung einiger örtlicher Firmen zum Grätewagen Licht um. In diesem Jahr musste, auf Grund der beiden Unwetter im Sommer und dem starken Auftreten von Wespen, die Feuerwehr die bisher größte Zahl an Einsätzen in ihrer Geschichte bewältigen; man rückte zu über 150 Einsätzen aus.